Wie viele neue Vokabeln pro Tag? Erst nachrechnen, dann festlegen
Zwanzig neue Wörter täglich klingt nach wenig. Nach einem Monat sind daraus hundert Karten am Tag geworden, weil jedes neue Wort wiederkommt. Wir rechnen den Plan, nach dem Mullawo wirklich arbeitet, Wort für Wort durch – und zeigen, wie du ein Tempo findest, das du durchhältst.
Kaum eine Frage zum Vokabellernen hört man so oft wie diese: „Wie viele neue Wörter am Tag?“ Die gängigen Antworten, zehn, zwanzig oder fünfzig, übergehen dabei das Einzige, worauf es ankommt. Denn ein neues Wort bedeutet nicht eine Karte, sondern viele: heute, heute Abend noch einmal, morgen, in einer Woche und in einem Monat. Entscheidend ist also, wie viele Karten du ab sofort Tag für Tag bewältigen kannst – und diese Zahl steht fest, sobald du am ersten Tag dein Tempo wählst.
Rechnen wir das einmal durch, und zwar mit dem Plan, nach dem Mullawo tatsächlich arbeitet.
Der Weg eines einzelnen Wortes
Wann ein Wort wiederkommt, berechnet Mullawo mit SM-2, auf dem auch die meisten anderen Apps für verteiltes Wiederholen beruhen. Nehmen wir ein Wort, bei dem du ausnahmslos jedes Mal Ich weiß es antwortest:
| Durchgang | Kommt wieder nach |
|---|---|
| 1. (du siehst es zum ersten Mal) | 7 Stunden |
| 2. | 1 Tag |
| 3. | 6 Tagen |
| 4. | etwa 17 Tagen |
| 5. | etwa 49 Tagen |
| 6. | etwa 5 Monaten |
Sind die ersten drei Schritte geschafft, wird der Abstand jedes Mal mit der Leichtigkeit des Wortes multipliziert. Dieser Wert startet bei 2,5 und wächst mit jeder fehlerfreien Antwort um 0,1, deshalb werden die Intervalle so schnell länger. Mehr als ein Jahr beträgt aber kein Abstand.
Als gelernt gilt ein Wort bei Mullawo standardmäßig, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Es wurde fünfmal richtig beantwortet, die nächste Wiederholung liegt mindestens 21 Tage in der Zukunft, und es ist nicht „schwer“ geworden, hat also eine Leichtigkeit von mindestens 2,0. Beim fehlerfreien Wort aus der Tabelle ist das mit der fünften Wiederholung erreicht, rund 24 Tage nach der ersten Begegnung: fünf Durchgänge in dreieinhalb Wochen. (Wer „gelernt“ strenger oder großzügiger auslegen möchte, findet alle drei Schwellen unter Einstellungen → Lernen → Erweitert.)
So sieht der Idealfall aus. Weißt du ein Wort nicht, rutscht es zurück auf die Sieben-Stunden-Stufe und büßt 0,8 an Leichtigkeit ein. Mit Fast bleibt es zwar in Bewegung, verliert aber 0,14. Schwierige Wörter tauchen dadurch häufiger auf, und das ist auch gewollt. Es bedeutet aber, dass alle Zahlen weiter unten nur Untergrenzen sind und keine Schätzungen.
Was dich ein Tagespensum wirklich kostet
Angenommen, du nimmst jeden Tag dieselbe Zahl neuer Wörter dazu. Wie viele Karten fallen dann an einem bestimmten Tag an? Gerechnet nur mit fehlerfreien Antworten:
| Neue Wörter täglich | Karten an Tag 10 | an Tag 30 | ab Tag 90 |
|---|---|---|---|
| 5 | 20 | 25 | 30 |
| 10 | 40 | 50 | 60 |
| 20 | 80 | 100 | 120 |
Die Regel dahinter ist einfach: Nach dem ersten Monat wiederholst du täglich etwa das Fünffache deiner neuen Wörter, nach drei Monaten ungefähr das Sechsfache – vorausgesetzt, du liegst nie daneben. Wer ehrlich antwortet, braucht für manche Wörter acht oder zehn Durchgänge statt fünf, und dann wird es noch mehr.
Aus „zwanzig am Tag“ werden so bis Ende des ersten Monats mehr als hundert Karten täglich. Rechnet man fünf bis sechs Sekunden pro Karte, sind das etwa zehn Minuten – jeden Tag, ohne Unterbrechung. Für manche ist das völlig in Ordnung. Viele werfen aber in der dritten Woche hin und geben sich selbst die Schuld.
Und wenn du einen Tag aussetzt?
Wiederholungen verschwinden nicht, nur weil du freimachst. Sie bleiben liegen, und am nächsten Tag wartet die doppelte Menge. Setzt du bei zwanzig neuen Wörtern täglich eine Woche aus, kommst du zu mehreren hundert Karten zurück. Vor so einem Berg geben die meisten ihre Vokabelroutine auf.
Darum spricht so viel für ein gemäßigtes Tempo: Was du auch an einem schlechten Tag schaffst, bringt dich weiter als ein Tempo, das nur an guten Tagen funktioniert.
So stellst du dein Tempo in Mullawo ein
Einen eigenen Regler für neue Wörter gibt es in Mullawo nicht, nur eine einzige Zahl: Wörter pro Sitzung. Voreingestellt sind 20, in den Einstellungen kannst du alles zwischen 5 und 300 wählen. Dein Tempo ergibt sich daraus, wie viele Sitzungen du täglich machst und wie lang sie sind.
In der Praxis heißt das zum Beispiel:
- Für den Anfang oder in stressigen Zeiten: täglich eine Sitzung mit 20 Wörtern. Damit pendelt sich die Last auf ein Maß ein, das du nebenbei im Bus erledigst.
- Wenn du dranbleiben willst und motiviert bist: zwei Sitzungen am Tag oder eine mit 40. Fühlt sich das in der dritten Woche nach Pflicht an, ist die Tabelle von oben bei dir angekommen. Dann nimm Tempo raus, bevor du ganz aufhörst.
- Vor einer Reise oder Prüfung: Zwei, drei Wochen lang darfst du Gas geben und danach wieder runterschalten. Die gepaukten Wörter behalten ihre eigenen Pläne, und weil ihre Intervalle länger werden, sinkt die Last innerhalb eines Monats wieder.
Ist dir an manchen Tagen selbst das Bewerten jeder Karte zu viel, hilft der Express-Modus: Du gehst die Karten durch, ohne jede einzeln einzuschätzen. So reißt die Gewohnheit nicht ab, der Plan erfährt an diesem Tag eben nur weniger über dich.
Woran du dein Tempo misst
Die eine magische Zahl neuer Wörter gibt es nicht, wohl aber ein magisches Kriterium: Die Karten von heute schaffst du auch am schlimmsten Tag deiner Woche. Klappt das, ist dein Tempo richtig, ganz gleich, wie hoch es ist. Klappt es nicht, schalte einen Gang zurück. Nicht, weil du versagst, sondern weil die Rechnung zeigt, dass die Last ab hier nur noch zunimmt.
Mit zehn neuen Wörtern täglich kommst du im Jahr auf rund 3.600. Das entspricht dem Grundwortschatz der meisten Sprachen, und die tägliche Last liegt dabei bei etwa sechzig Karten. Schneller muss kaum jemand sein. Mehr Ausdauer bräuchten dagegen fast alle.